Meiningen - "Mistwetter!" Ulrich Töpfer aus Meiningen schaut am Samstag mit sorgenvoller Miene kurz vor Beginn der Abendveranstaltung
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Mit tausend Besuchern hatten die Akteure vom Bündnis gegen Rechts gerechnet. Nur ein Bruchteil davon steht nun mit Regenschirm in der Hand oder Kapuze auf dem Kopf vor der großen Bühne und an den Info-Ständen. Fast trotzig meint Töpfer, Stadtrats- und Kreistagsmitglied der Grünen sowie Mitstreiter im Bündnis gegen Rechts, in seiner Eröffnungsrede: "Uns kann kein Wetter schrecken, wenn es heißt, die Stimme gegen Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz zu erheben." Er sagt ins Mikrofon, wie wichtig ausländische Mitbürger seien. Sie bereicherten die deutsche Kultur und Arbeitswelt: "Was wäre unser Theater ohne ausländische Mitbürger?"
Für die Weltkulturwoche unter dem Motto "Meiningen gemeinsam - weltoffen und demokratisch" gewann das Bündnis gegen Rechts gleich drei prominente Schirmherren aus der Politik. Zur Eröffnung kommt keiner von ihnen. Thüringens Kultusminister Christoph Matschie hat seinen Staatssekretär Thomas Deufel geschickt, der in seinem Grußwort vom weltoffenen Thüringen spricht und diese Weltoffenheit auch künftig helfen werde, den Freistaat auf der Landkarte immer besser darzustellen. Für Landrat Ralf Luther als weiteren Schirmherren erscheint dessen ehrenamtlicher Stellvertreter Rolf Baumann, der zugleich den Meininger Bürgermeister Reinhard Kupietz vertritt, der im Krankenhaus liegt. "Meiningen als Kulturstadt ist eine weltoffene Stadt", betont Baumann, der SPD-Landtagsmitglied ist.
Trotz Regens geht das Programm nahezu wie angekündigt über die Bühne, moderiert von Entertainer Michael Gerlinger. Es beginnt mit einem vietnamesischen Drachentanz. Dann spielen Joe Wirth & Friends aus Unterfranken - mit einem eher unbekannten Instrument der australischen Ureinwohner. Das Gebrumme des Didgeridoos ist für hiesige Ohren recht ungewohnt. Anschließend betritt die Meininger Hip-Hop-Band FCS die Bühne. Frontmann Henry Nahrstedt und seine Bandkollegen heizen dem Publikum ordentlich ein - mit eingängigen Texten und gut gemachter Musik. Eine Feuershow von Mitgliedern der offenen Jugendarbeit sowie der Auftritt der Surfin-Safari-Band aus Ostheim runden das Programm bis zum späten Abend ab.
Im Publikum sieht man auch einige Politiker wie den SPD-Kreisvorsitzenden Peter Heimrich, die Landtagsabgeordnete Jennifer Schubert (Grüne) und den Meininger Ortsvorsitzenden der Linkspartei, Harald Heidemann, außerdem Stadtrat Michael Wagner (Grüne).
Wagner moderiert anderntags einen Internationalen Frühschoppen im Restaurant Bombay, zu dem jedoch nur zehn Besucher kommen. Johannes Rösch vom Meininger Kunsthaus ist darunter, Cordula Al-Kassab vom Integrationsprojekt SMINT, Volker Puff vom Bildungszentrum der Polizei, der Meininger Hausarzt Dr. Roy Ben Chur sowie Therese Broksema-Marwa und ihr Mann Egbert aus Ellingshausen.
Rund 1260 Ausländer leben im Landkreis - damit liegt der Anteil unter einem Prozent der Bevölkerung. Die Runde kommt schnell zu dem Fazit: Ausländer wurden früher als Fachkräfte gebraucht und werden heute als Fachkräfte gebraucht, zum Beispiel in den Krankenhäusern. Und: Es gibt hier im Landkreis im Zusammenleben zwischen Deutschen und Ausländern keine Probleme. Das heiße allerdings nicht, dass es keine Vorurteile gebe. Um die abzubauen, seien soziale Kontakte untereinander ebenso wichtig wie die Vermittlung anderer Kulturen und Lebensweisen in Kindergarten und Schule. Auch müsse hinterfragt werden, warum im Ausland erworbene Abschlüsse und Qualifikationen hier in Deutschland mitunter nicht anerkannt werden.
Wie sagte schon der berühmte Wort-Künstler Karl Valentin: Fremd ist der Fremde nur in der Fremde. An dieses Zitat erinnern Mitglieder des Meininger Kinder- und Jugendtheaters Tohuwabohu. Sie haben zum Auftakt der Weltkulturwoche in Kostümen für ihre nächsten Vorstellungen im Oktober geworben.
Heute 19.30 Uhr zur Weltkulturwoche im Kunsthaus NEKST: Podiumsdiskussion zum Thema "Wir waren ein Einwanderungsland" mit Ralf Pieterwas von der IHK und Landrat Ralf Luther.






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