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Erstmals fand das im Rahmen der Gesellschafter-Initiative der „Aktion Mensch“ veranstaltete Festival auch in Meiningen statt. In 120 Städten ist es mittlerweile präsent. Mit einer Auswahl von Dokumentarfilmen soll es den Dialog über gesellschaftlich brisante Themen anregen. Elf Filme, die das Thema „ueber Macht“ aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchteten, waren vom 19. Dezember 2009 bis 25. Januar 2010 im Meininger Kunsthaus, in der Volkshochschule sowie im Henfling Gymnasium und im Berufsbildungszentrum am Drachenberg zu sehen. Zu jeder Vorführung gab es anschließend eine Diskussion.
Rund 330 Besucher
Insgesamt 330 Besucher kamen zu den Veranstaltungen. „Das ist für das erste Mal eine gute Resonanz“, resümiert Bernd Müller, der das Festival organisierte und mit eigener DVD-Vorführtechnik die Filme auf die Leinwand brachte.
Eher einem Zufall ist die Meininger Ausgabe zu verdanken. „Eigentlich war Fulda als neuer Festivalort vorgesehen. Die Verantwortlichen dort haben aber kurzfristig abgesagt, deswegen habe ich spontan Meiningen ausgewählt“. Dass sich der Plauener, der über den Verein Landfilm bereits in zehn Städten im Vogtland und in Oberfranken das Dok-Filmfestival organisiert, für Meiningen entschied, liegt wiederum daran, dass er im nahen Unterkatz geboren wurde und hier zur Schule ging.
„Die Zeit, um das Festival zu organisieren war sehr kurz. Aber die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort hat sehr gut geklappt“, freut sich Müller. Die Meininger Volkshochschule sei im Vergleich zu anderen, die er bislang kennengelernte, bestens ausgerüstet. Aber auch das Kunsthaus biete als Festivalort eine gute, wenngleich völlig andere Atmosphäre mit eigenem Besucherklientel. Sehr gut gelaufen seien darüber hinaus die beiden Schulveranstaltungen.
Vor den Neuntklässlern im Henfling-Gymnasium wurde der Film über die Eliteschule „Zuoz“ in der Schweiz gezeigt. Abends gab es nach der Vorführung in der Volkshochschule noch eine interessante Diskussion mit Dr. Albrecht Rosenstiel, ehemals Lehrer am Rhöngymnasium Kaltensundheim, Klaus Köhler, Lehrer am Henfling-Gymnasium, und Carsten Feller von der Initiative fürs Evangelische Privatgymnasium in Meiningen. Aus unterschiedlichen Positionen wurde über Bildung, Chancengleichheit, Unterrichtspraxis und eine verfehlte Schulpolitik hierzulande gesprochen.
Vielfältige Diskussionen
Im Bildungszentrum am Drachenberg lief der Film „Faustrecht“ über gewalttätige Jugendliche. Rund 50 Schüler, die hier ihren Regelschulabschluss nachholen, waren zur Vorführung. „Im sehr persönlichen Gespräch danach wurde deutlich, welche schwierigen Fälle es unter den Jugendlichen in dieser Schule gibt“, meint Bernd Müller.
Auch die Diskussion zum französischen Dok-Film „Ihr Name ist Sabine“ über das Leben einer Autistin, die einer Klinik mit Psychopharmaka vollgestopft wird, ist sehr gut gelaufen. Vertreter der Meininger Lebenshilfe e. V. nahmen daran teil, über 20 Besucher waren anwesen und zeigten reges Interesse am Thema.
Alternatives Angebot
Kaum Resonanz fand dagegen „Citizen Havel“. Ein tschechisches Filmteam begleitete den ehemaligen Ministerpräsidenten und Schriftsteller Vaclav Havel bei seiner Arbeit im Amt, um die Machtspiele im Räderwerk der Politik aufzudecken. Das interessierte wohl kaum jemanden.
Bei den Veranstaltungen hörte Bernd Müller immer wieder von den Besuchern, die nicht nur aus Meiningen, sondern auch den umliegenden Orten kamen: „Endlich mal was anderes.“ Das hat den Initiator und Filmvorführer besonders gefreut. Noch viel mehr sollte man mit solchen Filmen in die Breite gehen, ist er der Meinung. Müller erinnert sich dabei auch an das Landfilmkino seiner Kindheit. „Die kamen damals mit schwerer Technik, riesigen Filmrollen und ratterndem Vorführgerät. Das hat mich fasziniert und ich konnte Filme sehen, die ich sonst niemals kennengelernt hätte.“
„ueber Mut“ folgt
Nicht an alle Orte kann heute Bernd Müller das Dok-Filmfestival bringen. Denn darüber entscheidet eine Kommission der Gesellschafter-Initiative. Nach dem guten Meininger Start ist Müller allerdings sicher, dass die Kulturstadt auch beim nächsten Mal wieder dabei sein wird. Nach „ueber arbeiten“ 2006, „ueber morgen“ 2007 und „ueber Macht“ 2009 soll im November 2010 das Filmfestival zum Thema „ueber Mut“ weitergeführt werden. (cs)






























