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Inspiriert vom „Sonnengesang“ des heiligen Franziskus von Assisi fotografierte Gerhard Bretschneider auf seinen Reisen, die ihn in verschiedene Länder führten. Die Keramikerin Andrea Magnus ging zum Thema künstlerisch auf Entdeckungsreise. Und die Cellistin Renate Kubisch entlockte ihrem blauen E-Cello neue Musikstücke.
„Die Idee kam ursprünglich von Gerhard Bretschneider“, erklärt Andrea Magnus, „er hatte seine Fotografien und wollte sie durch neue künstlerische Sichtweisen zum Thema in ein größeres Gesamtkunstwerk stellen.“ Es scheint, dass die Keramikerin aus Hermannsfeld nur auf diesen Anlass gewartet hat. Denn über ihr Handwerk hinaus, war sie schon seit einiger Zeit in verschiedenen künstlerischen Genres tätig. Bei ihren Wanderungen durch die Natur, auch begleitend zu ihren Kursen waren Fotografien entstanden. Mit der Videokamera hatte sie ebenfalls schon öfter gearbeitet. „Das Thema hat mich zur vielseitigen künstlerischen Arbeit sehr inspiriert.“
Ausgangspunkt waren die mittelalterlichen „Sonnengesang“-Strophen Franz von Assisis. Er lobpreist darin die Schöpfung mit den lebenserhaltenden Elementen der Natur – Sonne, Luft, Wetter, Wasser, Feuer und Erde. Als reicher Kaufmannssohn hatte er zuvor allen Genüssen und materiellen Gütern abgeschworen und war zum Bettelbruder für die Armen geworden. Nach seinem Tod wurde in seinem Geburtsort Assisi in Umbrien eine riesige, prachtvolle Klosteranlage gebaut, die bis heute ein pompöser und beliebter Pilgerort für Gläubige und Kunsttouristen ist.
Sinnbilder geschaffen
Andrea Magnus war noch nie in Assisi, ließ sich also nicht von der reichen Pracht der Nachwelt, sondern von den schlichten Gesängen des Franz von Assisi inspirieren. Zu den einzelnen Strophen gestaltete sie unterschiedlichste Sinnbilder. So beispielsweise zu „Gelobet seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteren Himmel und jedliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.“ Eine Fotoinstallation mit langen Stoffbahnen, auf denen eine Tänzerin in rotes Tuch gehüllt, sich im Wind bewegt, hat die Künstlerin gestaltet. Ästhetische Anmut, erzeugt durch den Wind, möchte Andrea Magnus zum Ausdruck bringen. „Der Wind wirkt nicht nur zerstörend“, begründet sie.
Lebens-Todes-Spirale
Originelle Fotografien ausdrucksvollen Baumstamm-Gesichter, die sie bei ihren Spaziergängen fand, stehen als Sinnbilder für Mutter Erde und die vielfältigen Früchte und Pflanzen, die sie hervorbringt. Keramisch gestaltete sie in Rakutechnik Sonne, Mond und Sterne mit Spiralenornamenten. „Sie symbolisieren die Weiter- und Höherentwicklung des Lebens. Im Kontrast dazu steht eine in sich ruhende Kugel.“
In großformatigen Fotografien hat Gerhard Bretschneider den „Sonnengesang“ sinnbildlich umgesetzt. In experimentellen und dokumentarischen Fotografien nimmt er Bezug zum Text. Zu sehen sind unter anderem ein grauer, dunkler Wolkenhimmel, durch den das Sonnenlicht dringt, ein spektakuläres Feuer aus dem Krater eines Vulkans, eine kunstvolle Strelitzienblüte als Makrofotografie und eine Hauswand, auf die „Freiräume werden erkämpft – nicht erbettelt!“ gesprayt wurde.
Klang der inneren Stimme
Die Klänge, die die Cellistin Renate Kubisch zum „Sonnengesang“ komponierte, werden zur heutigen Vernissage erstmals zu hören sein. „Mein wichtigstes Anliegen ist, die zweite, die innere Stimme in mir zum Ausdruck zu bringen, die innere Melodie, die mich durch das Leben trägt. Auf diese Reise will ich die Menschen mitnehmen.“
Eine Einführung zur Ausstellung und das Leben des heiligen Franz von Assisi gibt der Franziskanerpater Stanislaus vom Kloster Kreuzberg.
Das offizielle Vernissageprogramm dauert ca. 20 Minuten. Danach ist Zeit zum Rundgang durch die Ausstellung oder zum Besuch der „Sommernachtstraum“-Vernissage im Theatermuseum, die um 19.30 Uhr beginnt. C. Scherzer










