Samstag, 27. März 2010

Ästhetik im Vordergrund Albrecht Rosenstiel sprach im Kunsthaus über seine Arbeit

FW  Meininger Tageblatt

Ressort Kultur lokal
Erschienen am 26.03.2010 17:40
Bildende Kunst
Ästhetik im Vordergrund
Albrecht Rosenstiel sprach im Kunsthaus über seine Arbeit
Meiningen. „Es ist sehr rätselhaft: Es klopft nicht an, aber es drängt sich auf und muss künstlerisch abgearbeitet werden.“ Noch heute hat der schwer fassbare Entstehungsprozess seiner Werke für Albrecht Rosenstiel nichts an seiner Faszination verloren – trotz der intellektuellen Auseinandersetzung mit Kunst in 40 Jahren Lehrtätigkeit. Am Donnerstag sprach der Meininger Künstler im Kunsthaus über die Poesie, das Instabile und die kindliche Neugier in seinen Arbeiten.
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Albrecht Rosenstiel im Gespräch mit dem zahlreich erschienenen Publikum im Kunsthaus.
Bild: S. Winkel


Von frühester Jugend an hat sich Albrecht Rosenstiel zeichnerisch artikuliert. Ein Hobby, eine unterhaltsame Nebenbeschäftigung war das Zeichnen dabei allerdings nie. Viel zu eng ist der künstlerische Ausdruck seit jeher mit der Lebensauffassung des Meiningers verbunden. Wiederum kaum zu trennen vom Zeichnen ist für Rosenstiel auch eine weitere Form des kreativen Ausdrucks, das Wort, wie er im Gespräch mit Waldemar Franz Rösch verriet: „Die Auseinandersetzung mit der hintergründigen Bedeutung des Wortes hat mir beim Zeichnen geholfen. Zunächst ist allerdings das entstehende Bild. In diesem sukzessiven Vorgang bildet sich allmählich etwas heraus und darein fügen sich dann die Worte.“

Statt einen vorher gewählten Titel sklavisch am Bild abzuarbeiten, wird die Worthülse für Rosenstiel letztlich zu einem Zufallsprodukt, das in erster Linie seiner eigenen Selbstverständigung mit seiner Arbeit dient. Die Erklärung des Werkes für den Betrachter ist dabei eher zweitrangig. Wie weit die sprachliche Fassung gehen kann, zeigt sich am besten in der Kunsthaus-Ausstellung „Signale“, in der Rosenstiel noch bis zum 5. April Zeichnungen und Objekte zeigt. Hier ist das Wort selbst kompositorisches Element, an dessen Schriftart ebenso getüftelt werden musste wie an der Wahl des richtigen Papiers.

Romantische Gründe

Die fast schon skurrile Vermeidung der weißen Fläche hat für den Meininger Künstler dabei neben ästhetischen auch durchaus romantische Gründe. Ein kultiviertes Papier, beispielsweise aus einem alten Buch, hat schließlich eine eigene Geschichte, eine spezielle Qualität. Von diesem Material lässt Rosenstiel sich dann leiten, klebt, collagiert, bearbeitet bis alles stimmig ist. Eine Akribie, die sich beim Einfügen der grafischen Elemente fortsetzt: „Es darf keine Linie zu viel sein!“

Seine intensive Beziehung zum Material findet sich auch in den Objekten wieder, die die Schamlosigkeit in der Ausbeutung von Dingen, die Überwindung von ethischen Grenzen beim Nutzbarmachen der Natur thematisieren. „Es ist eine kindliche Neugier, eine Naivität beim Herangehen an die Objekte, die sich mit einer gewissen Altersweisheit paart.“ Einen genauen Plan verfolge er dabei nicht, eher ein Geheimnis, das sich noch nicht zeigt. So entstehen Konstellationen aus Alltagsgegenständen, deren metaphorische Bedeutungen als Ergebnis einer ungezielten Kopflastigkeit anzusehen sind. Konstellationen, die einen aufmerksamen, genauen Betrachter erfordern.

Seltsames Phänomen

Trotz des mal plakativ, mal verspielt erhobenen Zeigefingers tritt die bildnerische Aussage für Rosenstiel jedoch zunächst hinter die Form zurück: „Wenn man ästhetisch arbeitet, dann stehen politische und ethisch-religiöse Fragestellungen erst einmal im Hintergrund. Am Ende fügt sich dann alles zusammen.“ So artikuliert sich letztlich doch das Instabile in den diffizil erarbeiteten Zeichnungen und Objekten des Künstlers, der sich selbst zwar keineswegs als pessimistisch einschätzt, die eigene Kopflastigkeit aber dennoch nicht abstreiten kann. Für Rosenstiel bleibt es ein seltsames Phänomen: „Man trägt Dinge in sich, vor denen man manchmal selbst erschrickt.“ S. Winkeler

Mittwoch, 10. März 2010

Ein Pragmatiker mit Mission

FW Meininger Tageblatt

Ressort Kultur lokal
Erschienen am 09.03.2010 17:19
Verein
Ein Pragmatiker mit Mission
Christian Zepf ist seit Februar neuer Vorsitzender des NEKST-Kunstvereins
Meiningen. Mit der Kunst fühlt sich Christian Zepf verbunden. Kultur und Bildung sind sein berufliches Arbeitsgebiet. Ansonsten will
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Christian Zepf ist gebürtiger Schwabe, seit 2008 Wahl-Meininger und arbeitet als Bildungsbeauftragter bei Bionade in Ostheim.
Bild: C. Scherzer
der gebürtige Schwabe, der seit eineinhalb Jahren in Meiningen lebt, aktiv sein und andere aktivieren. Die Mitglieder des NEKST-Kunstvereins wählten ihn im Februar zu ihrem neuen Vorsitzenden.

Der langjährige Vorsitzende Waldemar Franz Rösch wollte sein Amt abgeben, arbeitet aber weiter im Vorstand mit. „Ich sehe meine Arbeit vor allem als Chance, um mit den anderen Kultureinrichtungen der Stadt zusammenzuarbeiten“, sagt der neue NEKST-Vorsitzende. Noch zu viel laufe im kulturellen Bereich auseinander, auch gegeneinander, das sei nicht mehr zeitgemäß, meint Christian Zepf und betont: „Ich stehe für den Dialog.“

In Kultur einbringen

Mit dem Bürgermeister Reinhard Kupietz hat er schon gesprochen. Demnächst soll es ein Gespräch mit Landrat Ralf Luther geben. „Wir wollen uns als Kunsthaus in eine zukunftsfähige Kulturstadt einbringen“, sagt Zepf. Das sind zunächst erstmal große Worte. Derzeit arbeitet der neue NEKST-Vorsitzende am Ausstellungs- und Veranstaltungsplan für 2011.

Der Plan fürs laufende Jahr steht – 21 Ausstellungen soll es geben, dazu Lesungen, Jazzmusik, Theater und Filmabende. Geplant sind unter anderem Personalausstellungen von Rainer Thomas und Maria Bubenik sowie eine Gruppenausstellung der Nürnberger Künstler und eine Schau zum Jubiläum „Fünf Jahre Kunsthaus in der Alten Posthalterei“. Die meisten Veranstaltungen sind noch nicht fest terminiert, vieles wird sporadisch in den Kalender aufgenommen. Neu hinzugekommen ist eine Lesung der kürzlich zurückgetretenen Bischöfin Margot Käsman, kündigt Zepf an.

Zwei Stellen geschaffen

„Unsere Arbeit muss professioneller und strukturierter werden“, so das Ziel des neuen NEKST-Vorsitzenden. Dabei weiß er, dass die Arbeit auch künftig vor allem ehrenamtlich geleistet werden muss. Neu geschaffen werden sollen aber zwei Stellen für Jugendliche auf Basis eines Freiwilligen kulturellen Jahres. „Sie werden sich unter anderem um die Jugendgalerie kümmern und alle kreativen Kräfte bündeln“, umreißt Christian Zepf die Aufgaben.

Nachdem die Alte Posthalterei und das Areal drumherum – Domizil des Kunsthauses – Anfang dieses Jahres vom Insolvenzverwalter an die Stadt übergeben wurde, ist der Verein handlungsfähig. „Als erstes wollen wir die bautechnischen Arbeiten und Brandschutz-Auflagen in Angriff nehmen, damit wir wieder Konzerte und Veranstaltungen durchführen können, die aus Sicherheits- und Lärmschutzgründen eingestellt werden mussten“, erklärt Zepf. Die Arbeiten wollen die NEKST-Mitglieder in Eigenleistung übernehmen. Das Problem der fehlenden Heizung in den Ausstellungsräumen des historischen Gebäudes will der Kunstverein vorerst hintenan stellen. „Wir wissen, dass die Kommunen überall blank sind, uns ist klar, dass die Stadt Meiningen für das Gebäude kaum Geld geben kann.“

Pragmatiker und Idealist

Chistian Zepf ist eher ein Pragmatiker und Idealist. Für alle Probleme findet sich eine Lösung, ist er überzeugt. Durch seine positiven Erfahrungen fühlt er sich bestätigt. „Ich habe mit 16 eine Ausbildung zum Schalterbediensteten bei der Post gemacht und dann auf dem Flughafen ein paar Jahre Briefe sortiert, bis ich mir gesagt habe, das kann‘s nicht gewesen sein“. Das Abitur hat er nachgeholt und dann sein Diplom für Sozialarbeit bei den Salesianern Don Boscos im katholischen Kloster Benediktbeuern gemacht. Im Rahmen seines Studiums hat er auf der Insel Rügen am Nationalpark-Umweltprojekt für das Museum auf dem Königstuhl mitgearbeitet. Danach hängte er ein weiteres Pädagogikstudium mit Kunstgeschichte als Nebenfach an der katholischen Universität im bayerischen Eichstätt an.

Als freier Mitarbeiter fand er schließlich beim Getränkehersteller Bionade in Mecklenburg-Vorpommern eine Stelle. Die Firma aus dem kleinen Ostheim, die sich in den vergangenen Jahren einen Riesenmarkt eroberte, holte ihn 2008 in den Mutterbetrieb. Dort ist der Diplompädagoge seither für die Bildung und Weiterbildung der Mitarbeiter sowie Angebote im Biosphärenreservat Rhön verantwortlich. „Der Schutz von Natur und Umwelt gehören zum Firmenkonzept“, wirbt Zepf, der danach auch persönlich lebt.

Gutes weitergeben

Er hat kein Auto und fährt täglich mit dem Fahrrad 23 Kilometer hin und 23 Kilometer her von Meiningen nach Ostheim und zurück. Der lange Winter mit dem vielen Schnee macht es ihm derzeit schwer. Manchmal musste er auf Bahn und Bus umsteigen. Aber er ist optimistisch, nicht nur in Bezug aufs Fahrradfahren und körperliche Fitsein. „Ich hab‘ viel Gutes in meinen Leben erfahren, das will ich weitergeben, auch als Vorsitzender des NEKST-Kunstvereins.“ Das klingt fast schon missionarisch … Carola Scherzer

Montag, 1. März 2010

Sieben Wochen Stillstand Was dem Meininger Nekst-Verein als Betreiber des Kunsthauses unter den Fingernägeln juckt

FW Meininger Tageblatt

Ressort Feuilleton
Erschienen am 27.02.2010 00:00
Kulturszene
Sieben Wochen Stillstand
Was dem Meininger Nekst-Verein als Betreiber des Kunsthauses unter den Fingernägeln juckt
Von Frank Hommel
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Das Meininger Kunsthaus Nekst - ein Schmuckstück mitten in der Stadt. Foto: ari
Bild:

Meiningen - Vor sieben Wochen noch schien es den Mitgliedern des Kunstvereins Nekst, als strahlte die Zukunft rosarot. Da nämlich hatte die Stadt das Domizil des Vereins, die alte Posthalterei, vom Insolvenzverwalter übernommen. Der Verein frohlockte: Jahre der Unsicherheit waren vorbei. Man freute sich darauf, endlich loszulegen.

Und das provisorische Domizil, vorher in Besitz einer pleite gegangenen Firma, fit für die Zukunft zu machen. Dafür braucht es ein verbindliches Nutzungskonzept. Solange das Gebäude noch der Insolvenzverwalter unter seinen Fittichen hatte, war das nicht möglich. Nun, mit der Stadt im Rücken, sah das anders aus. Zumal sich bei der festlichen Übergabe des Gebäudes die lokale Polit- und Kulturprominenz die Klinke in die Hand gedrückt hatte.

Das war, wie gesagt, vor sieben Wochen. Am vergangenen Donnerstag, als der Verein neben der Öffentlichkeit auch den Stadtrat zur Diskussion über die Zukunft des Kunsthauses eingeladen hatte, kam nur Harald Bernhardt, Vorsitzender des Bauausschusses. Der versprach immerhin, sich in Rat und Ausschuss für die Belange des Vereins einzusetzen. Denn die rosarote Zukunft hat etwas von ihrem Glanz verloren. Dem Verein läuft die Zeit davon. Und seinem neuen Vorsitzenden Christian Zepf ist anzumerken, dass er niemandem auf die Füße treten will - es aber gleichzeitig unter seinen Fingernägeln juckt.

Guter Wille vorhanden

Es geht hauptsächlich um eine Brandschutztreppe und eine Wand für Lärmschutz. Zu ersterem verpflichtet den Verein die Bauaufsicht, zu zweitem die Notwendigkeit eines verbindlichen Veranstaltungsplans bei guter Nachbarschaft. Laut Vereinsgeschäftsführer Johannes Rösch soll beides jeweils kaum mehr als 12 000 Euro kosten. So viel als möglich will der Verein selbst bauen und basteln, und er hat diverse Fördertöpfe aufgetan. Doch ohne verbindliche Verträge mit der Stadt bleiben deren Deckel darauf, und von der Laufzeit der Verträge hängt auch die Größe der Kelle ab.

Zwar fühlt sich der Verein sicher und willkommen in der Posthalterei. Doch dieses Gefühl nützt wenig, wenn es in Verhandlungen mit Baubehörden, Unternehmen, Förderinstitutionen geht. Die wollen Handfestes sehen. Und da ist wenig passiert, seit die Stadt das Gebäude gekauft hat. Als Bestätigung des guten Willens wertet es Zepf, dass sein Verein bei der anstehenden Aufwertung des Viertels mit planen darf. "Wir werden Mittelpunkt des Quartiers", sagt Zepf und nennt die Zusammenarbeit mit dem von der Stadt beauftragten Planungsbüro als ausgezeichnet. Bis jedoch das Konzept für das Viertel umgesetzt wird, vergehen keine sieben Wochen, sondern Jahre. So lange kann der Verein nicht warten.

Gehen der Wochen noch viele ins Land, sind die Fördertöpfe für dieses Jahr wieder leer, die Haushalte ausgeschöpft. Der Verein müsste weiter warten, seine Ideen in die Tat umzusetzen. Die er als Beitrag für die Kulturlandschaft der Region versteht. Was Kultur leisten kann, zeigt nicht zuletzt das Beispiel des Vorsitzenden. Als Christian Zepf, bis dahin auf Rügen zu Hause, einen Job in Ostheim vor der Rhön bekam, suchte er sich eine Wohnung in Meiningen: "Wegen des kulturellen Angebots."

Und auch Stadtrat Harald Bernhardt hat erkannt, dass für eine rosarote Zukunft der Stadt auch Kultur keine geringe Rolle spielt: "Wenn die weichen Standortfaktoren auch noch weg brechen, dann haben wir hier ja fast überhaupt nichts mehr."

Weitere Infos, Fotos und Filme zum Kunsthaus Meiningen unter: http://www.kunsthaus-meiningen.de