
29.06.2010 19:30 Uhr - (N-)Ostalgie: Korrektur der Geschichte?
Aus der Vortragsreihe: „Das Erbe der DDR“
Auch zwanzig Jahre nach seiner Auflösung lebt der ostdeutsche Staat und mit ihm seine Gesellschaft in den Köpfen fort. Doch ist die menschliche Erinnerung in Ost und West keine unveränderliche Momentaufnahme: Im Prozess des Erinnerns, Erzählens und wieder Erinnerns sind es vor allem die schönen Momente, die bleiben. Während einige Bilder zunehmend verblassen, werden andere schärfer, farbiger und entwickeln ein Eigenleben. Angesichts einer unsicheren Zukunft wird für Viele der Rückblick auf die DDR zum Blick in eine Zeit angeblichen Zusammenhalts und Geborgenheit. Im Vergleich zur Komplexität des heutigen Lebens, erscheint diese Welt berechen- und überschaubar. Nicht nur Umfragen sondern auch persönliche Gespräche zeigen, dass die Deutung der DDR-Vergangenheit seit dem Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland starkem Wandel unterworfen ist: Sowohl im Osten als auch im Westen Deutschlands werden der „real existierende Sozialismus“ und der mit ihm einhergehende Lebensalltag weitaus positiver gesehen als noch Anfang der neunziger Jahre. Entsprechend wirkt die Betonung der „guten Seiten“ der DDR bereits jetzt auf die Einstellungen der Nachgeborenen. Der Frage, ob es sich bei der aufkommenden (N-)Ostalgie um eine notwenige Korrektur der Geschichtsschreibung oder lediglich um die Projektion unerfüllter Wünsche und Sehnsüchte in die eigene Vergangenheit bzw. das unbekannte System des anderen Deutschlands handelt, soll an diesem Abend im Kunsthaus Meiningen nachgegangen werden.
Referentin: Miriam Müller / Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Freie Universität Berlin, Forschungsverbund SED-Staat
Weitere Infos, Fotos und Videos zum größten Kunsthaus Thüringens unter: www.kunsthaus-meiningen.de









