Meiningen - "Waren wir ein Einwanderungsland?", so das Thema der Podiumsdiskussion im Meininger Kunsthaus. Moderator Bert Weber, Journalist beim mdr 1 Radio Thüringen, hatte sich kompetente Gesprächspartner zu der interessanten Problematik eingeladen. Im Podium konnte er IHK-Hauptgeschäftsführer Ralf Pieterwas, Joanna Izdebski, Regionaldirektorin der mic AG, Landrat Ralf Luther und den freiberuflichen Pianisten Robin Phillips begrüßen. Dass die Thematik auf großes Interesse stieß, bewies der bis auf den letzten Platz besetzte Raum, in dem die Veranstaltung stattfand.
"Momentan ist der Fachkräftemangel in Thüringen noch kein Thema - aber es wird zu einem Problem der nächsten Jahre, dem wir uns stellen müssen. Vor allem fehlen dann Akademiker und Spezialisten in den Metallberufen", so der IHK-Chef.
"Wir brauchen einen breiten Fachkraft-Querschnitt unter den Zuwanderern", ergänzte Landrat Luther.
Moderator Weber wollte von den beiden nicht deutschstämmigen Gesprächspartnern wissen, wie man sich als Ausländer in Deutschland fühlt. Robin Phillips ist gebürtiger Südafrikaner, der in England studiert hat und jetzt in Meiningen lebt. "Ich fühle mich hier wohl, habe nie Fremdenfeindlichkeit verspürt - jetzt einen deutschen Pass beantragt. Nur damit wird man noch kein Deutscher. Auch ein Ausländer, der hier geboren wurde, ist nicht zwangsläufig ein Deutscher. Wann ist man Deutscher - wird als solcher anerkannt?, diese Frage sollte gestellt werden", so Robin Phillips.
Sprachkenntnisse wichtig
Die in Polen gebürtige Joanna Izdebski hat in Amerika studiert, sie ist Staatsbürgerin der USA. Vor 17 Jahren hat es sie beruflich nach Deutschland verschlagen. Als wichtigste Voraussetzung, um in einem fremden Land Leben zu können, sieht sie Sprachkenntnisse. "Man muss kommunizieren können, ansonsten hat man schlechte Chancen auf Integration und Akzeptanz. Dem Land, in dem man leben und arbeiten möchte, muss man Respekt entgegenbringen", so ihre Meinung. Auf Ablehnung ist sie, seit sie in Deutschland lebt, nicht gestoßen.
Moderator Weber warf in die Runde, ob denn überhaupt Zuwanderer in Deutschland gebraucht würden, da hier immerhin 3,8 Millionen Arbeitslose statistisch erfasst seien.
"Leider können die offenen Stellen nicht immer besetzt werden, da vielfach die notwendige Qualifikation fehlt. Wir brauchen Spezialisten. Dass die Zuwanderung nicht alle Probleme löst, steht außer Frage", so Ralf Pieterwas von der IHK.
Landrat Luther geht davon aus, dass Zuwanderer in Deutschland und Thüringen dringend nötig sind. "Wir brauchen Leute, die sich in Thüringen ansiedeln. Allein schon wegen der demografischen Entwicklung, die sich abzeichnet. Die von Statistikern aufgezeigte Alterspyramide ist ganz einfach dramatisch", äußerte Landrat Ralf Luther.
Durch die weitere Öffnung des europäischen Marktes im kommenden Jahr rechnet der IHK-Geschäftsführer mit einem verstärkten Zulauf von ausländischen Arbeitnehmern. "Ziel muss es sein, beispielsweise polnische Arbeitnehmer zu integrieren und hier anzusiedeln. Der mögliche Zuzug, sprich die Einwanderung, sollte wie in anderen Ländern üblich nach einem Punktesystem geregelt werden. Als Kriterien könnten Deutschkenntnisse, Qualifikation und Bildung dienen. Einige Länder werden oft nach ihren früheren Wirtschaftsleistungen beurteilt. Heute haben Polen oder auch die Slowakei Deutschland in einigen Bereichen überholt. Es wird einige Mühe kosten, leistungsfähige Menschen hierher zu holen. Die Leute sind zunächst Gast hier in Deutschland. Man sollte sich gegenseitig Respekt entgegenbringen", so Pieterwas.
Man müsse das Land und das was es zu bieten habe, besser verkaufen. Dabei erinnerte er an Natur, Kultur und auch die Wirtschaft. Wichtig sei es, die Attraktivität des Standortes Thüringen weiter zu erhöhen. Nur so könne man ausländische Fachkräfte zu einer Ansiedlung in Thüringen bewegen, ergänzte er. Robin Phillips gab zu verstehen, dass Thüringen in der Welt als ein Land mit viel Kultur zu wenig bekannt sei. Dies sieht er als Künstler, der sich in Thüringen niedergelassen hat, als ein Problem an.
Im Fazit der angeregten Diskussionsrunde waren sich alle Beteiligten einig. Deutschland und natürlich der Freistaat Thüringen brauchen Fachkräfte und Menschen aus dem Ausland, die sich auf Dauer ansiedeln. Wichtig dafür sei jedoch gegenseitiges Verständnis und Vertrauen, welches man sich von beiden Seiten entgegenbringen müsse.
Identität bleibt erhalten
"Deutschland darf keine Angst haben, dass es durch die Zuwanderer seine eigene Kultur und Identität verliert. Ein buntes Land ist schön. Ich komme aus Südafrika, einem klassischen Einwanderungsland, in dem elf verschiedene Sprachen gesprochen werden", so Robin Phillips.
Joanna Izdebski mahnte aber an, dass man Rückwanderungsmöglichkeiten schaffen müsse, für alle die sich in Deutschland nicht auf Dauer integrieren möchten.
"Deutschland sollte aber alle ausländischen Mitbürger mit offenen Armen empfangen", schloss Bert Weber die angeregte Diskussionsrunde.

























